The great white shark experience


Mit 3 Stunden Verspätung wegen unserer Off-Road Fahrt – das ist eine andere Geschichte – kommen wir endlich in unserem B&B in Hermanus an. Das Wetter war schlecht und immer wieder hat es geregnet. Wir checken ein und ersuchen, ob wir vielleicht 30 Minuten vor Frühstücksbeginn etwas Tee oder Kaffee bekommen könnten. Na klar, kein Problem, aber wäre denn der Grund, will sie wissen? Nun, wir antworten dass wir morgen Früh zum Shark Cage Diving aufbrechen. Aha. Sie grinst. Es sei bestimmt eine großartige Erfahrung, aber nie im Leben, never ever, würde sie da hineingehen.  Aha. Soll uns das nun beunruhigen? Wir fragen, ob wir vielleicht sofort zahlen sollen, nur für den Fall, dass uns etwas passiert? Nein, nein, es wird schon gut gehen. … Es – wird – schon – gut – gehen … Nochmals aha. Wir lassen uns nicht beirren, genießen einen für die Jahreszeit zu kühlen Abend mit einer Flasche Wein, gehen irgendwann gegen 23 Uhr ins Bett und ….. ja ich muss gestehen, wir schlafen nicht wirklich entspannt. Hermanus, das Wetter sehr herbstlich

Wie vom Tour Operator befohlen, parken wir am nächsten Morgen um 08:30 unser Auto ein, gehen hinein und registrieren uns. Natürlich nicht ohne einen Forderungsverzicht zu unterschreiben. Frühstück der Sonderklasse wird serviert: Käse, Speck, Eier, Croissants, heiß, kalt, süß, salzig, sauer, lecker. Wir mögen nichts, nippen nur an einer Tasse heißem Kaffee herum. Es ist ein kalter, windiger Tag. Hohe Wellen, kein Sonnenschein. Drinnen entdecken wir eine Tafel, an der die Sichtungen des vorigen Tages vermerkt sind.

Sharks: 6, Visibility: 1,5 meters, Water temperature: 13 degrees.

Mir ist schlecht. Ich trage Jeans mit Rauhlederstiefel, T-Shirt, darüber einen Pulli, darüber eine Fleece Jacke, darüber einen dicken Poncho. Ich kann nicht bei 13 Grad Wassertemperatur da hinein. Mal sehen, nein, es geht nicht. Ich friere jetzt schon wie blöd. Wir sammeln uns, gehen on board und fahren hinaus. Das Wetter ist lausig, die Wellen hoch. Nein, ich kann nicht. Wer bitte hatte eigentlich diese blöde Idee, Shark Diving zu reservieren? Wenn die in den Käfig kommen, oder den Käfig los beißen und wir gehen unter? Saukalt! Man könnte doch einfach das machen, was Touristen eben tun. Irgendetwas anderes, als  bei 13 Grad ins Meer zu gehen. OK, es nützt nichts. Insider wissen es, also gebe ich es zu: Ich war’s.

Nach 20 Minuten haben wir die Sandbank erreicht. Es wird eine Chum Line – also eine Duftspur aus tiefgefrorenen Fischresten vermischt mit Wasser – ausgebracht und wir werden informiert, dass es 45 Minuten dauern kann, bis der erste Hai hier ist. Der starke Wind ist so kalt, dass mir die Haarwurzeln wehtun.

Ein Crew Mitglied macht einen Witz, während er den Käfig loszurrt: „Well ladies, you can jump into the water now! The cage is coming later.” Alle lachen. Ein hungerhakiges Mädel aus dem Osten Europas drängt sich voll motiviert vor und schreit: „Yes, yes I want to!” Hä? Aber nein, noch nicht genug. Sie zieht sich aus, posiert in ihrem knapen Bikini und meint lautstark: „I am a lady, can’t you see. I want to jump in.“ Well honey …. Das war wohl anders gemeint. Es ist zu befürchten, dass die Haie beim ersten Biss einen Silikon Schock erleiden. Nein Puppi, das wollen wir nicht, sonst ist der WWF hinter uns her. Bleib einfach hier und warte auf den Käfig.

Wir warten, allerdings nur 5 Minuten. Dann schreit einer der Bootsmänner: „Shark from the left….“ Hä? Wo? „Left, left, ….. gone.“ Ja wo denn? Mann-o, ich seh nix. Und genau jetzt geht ein Hai von unten auf den Köder los und springt ca. 1,5 Meter mit offenem Maul aus dem Wasser. Whow!!!! Sogar Mr. Boatman ist überrascht, denn auch er hat ihn nicht gesehen. Und schon ziehen sich die Ersten um, rein in den Neopren und ab in den Käfig. Ich bin fasziniert. Ein Spektakel der Sonderklasse beginnt. Von allen Seiten kommen sie, versuchen in den Köder zu beißen, gehen von unten drauf los, sind ganz nah am Käfig.

Der Bann ist gebrochen, und wenn das Wasser Minusgrade hat, ich muss da rein. Kralle mir einen Neopren, entledige mich meines Gewandes und, ….. ? Ahhhhh f…ck! Der ist noch nass vom Vortag. Zweimal grauslich! Alle Taucher wissen es: Nassen fremden Neopren anziehen – nicht lecker, nicht leicht. Ich wurschtle, ziehe, zerre, irgendwann bin ich drinnen und sehe aus wie Fischfutter in Lebendform. Super adrett! Was mich noch mehr anspornt, noch schneller in den Käfig zu steigen. Bleigurt rauf und los geht’s. Kaltes Wasser wird völlig überbewertet!

Aber Leute, hallo, das erste Untertauchen ….. Schnapp-Atmung mit gleichzeitigem Herzstillstand. Zum Glück war die Haiaktivität so hoch, dass ich nicht wirklich zum Nachdenken gekommen bin.

Bevor die Bilder kommen, vielleicht noch ein kleiner Versuch, das menschliche Auge in Dimensionen zu trainieren. Ich habe versucht die Größe des menschlichen Kopfes rechts unten vor die Nase des Hais zu platzieren. 5 Meter Lebendmasse, das könnt ihr mir glauben, sind wirklich groß.

Dimensionen_1455

Und hier sind die Impressionen.

An diesem Tag waren wir 4 Stunden draußen, ca. 45 Minuten im Wasser und haben 7 Weiße Haie mit einer Größe von 4,5 – 5 Metern gesehen. Die Größenangabe stammt übrigens nicht von mir, sondern von Mr. Boatman und ist somit plausibel.

Wir sind total mit Adrenalin vollgepumpt, diese faszinierenden Fische aus 50 cm Distanz gesehen zu haben. Suchtfaktor: hoch. Stillschweigend fahren wir zurück nach Gansbaai und für mich steht fest: Shark diving ist von meiner Bucket List ist noch nicht abgearbeitet. Next time: hinunter auf 10 Meter mit Tauchausrüstung in einen freischwebenden Käfig.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s