Mission elephant, vol. 2


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Heute geht „Mission Elephant“ in die zweite Runde. Für unsere Guides ist das Nicht-auffinden der Elefanten ziemlich unbefriedigend gewesen, da sie den Busch und die Tiere lieben und uns etwas ganz Besonderes zeigen möchten. Also zweite Runde, bevor noch einer von uns Fragen stellen kann, wo wir  hinfahren oder was wir heute sehen könnten.

Wir folgen wieder den Sandspuren und, wie sollte es anders sein, natürlich den unzähligen Kak-Hauferln. Das Geräusch von brechenden Baumstämmen und Ästen ist ein eindeutiges Signal dafür, dass sie sehr nahe sind. Elefanten fressen nicht zimperlich, was sich nicht sofort löst, wird einfach abgebrochen. Und wenn es ein Baumstamm ist, dann fällt der eben. Der Busch sieht hier völlig anders aus. Halbhohe Sträucher und Bäume, etwas offener und bei genauerer Betrachtung ziemlich verwüstet. Man kann ihre Fraßspuren überall an der Vegetation erkennen. Wir lauern, lauschen, fahren vor, zurück. Plötzlich fragt eine Frau, ob man die Elefanten denn, wäre hier ein Turm, nicht besser von oben sehen könnte? Unsere Guides lachen schallend, natürlich nicht. Es ist ja nicht so dass ich mich über diese Frage lustig machen würde, denn eigentlich könnte sie von mir stammen, aber für die Südafrikaner muss das so klingen, als wenn uns jemand in Österreich fragt: „Kann ich Forellen besser sehen, wenn ich im Attersee schwimme?“ Naaa, natürlich ned! Ich beginne langsam für Touristen in unserem Land etwas mehr Geduld zu entwickeln, selbst wenn sie versuchen Germknödel mit Sauerkraut zu bestellen. Sie wissen es einfach nicht.

Wir suchen die Elefanten und übersehen beinahe, dass wir uns mitten in einer riesigen Büffelherde von zumindest 100 Tieren befinden. Sie trinken und baden an einem Wasserloch, glotzen uns argwöhnisch an, kommen ganz nahe, schnaufen. Ich fürchte mich vor ihnen, sie sind mir nicht geheuer. Aber das ist eine andere Geschichte, über die ich noch berichten werde.

Und plötzlich sind sie hier, unsere Elefanten. Ein riesiger Bulle, Kühe mit Babys und einige halbstarke Teenager die frech unser Auto und natürlich uns beäugen. Sie bewegen sich so leise, man hört sie kaum. Als die Babys das Wasserloch sehen, flitzen sie aufgeregt aus dem Unterholz hervor und rennen mit flatternden Ohren darauf zu. Sie wollen die ersten sein, denn sie wissen ganz genau, gegen die dicken Hintern der großen Tanten behauptet man sich nur schwer.

So kommen wir in den Genuss eines ganz seltenen Ereignisses aus Sicht des Betrachters. Wir beobachten eine Elefantenherde am Wasserloch. Sie stehen in Reih und Glied wie Zinnsoldaten, ihre Rüssel bewegen sich gleichzeitig auf und ab. Es ist ein stilles Bild der Symmetrie.

Aber einer, nämlich der größte Bulle, fehlt. Er hat nicht getrunken. Ich suche das Gelände nach ihm ab, sehe ihn in der Ferne. Er marschiert direkt auf die Büffel zu, etwas gefällt ihm nicht. Drohgebärden, ausgeklappten Ohren, den Rüssel hocherhoben wirbelt er Staub auf, schüttelt seinen Kopf hin und her und galoppiert in für mich unerwartetem Tempo auf die Büffel zu. Ein lautes Trompeten und dann Ruhe ist im Busch. Die Büffel – 800 Kilo Lebendgewicht – rennen panisch, ohne sich auch nur eine Sekunde ihm in den Weg zu stellen, weg. Es ist unverkennbar: don’t mess around with Dumbo.

Mein Blick wandert wieder zurück zur Herde. Die Kleinen haben in der Zwischenzeit das Element Wasser als unterhaltsame Abwechslung entdeckt. Sie plätschern mit ihren kurzen Babyrüsseln im Wasser herum, duschen sich gelegentlich mit einer Fontäne ab, plätschern weiter, haben eine Methode entwickelt, wie man mit einem kleinen Rüssel auf der Wasseroberfläche pritscheln und den Nachbarn anspritzen kann. Wir kennen das von Kleinkindern in der Badewanne. Es ist einfach herzig zu beobachten und das Wackeln ihrer kleinen Ohren lässt erahnen, wie viel Spaß sie dabei haben.

... und jetzt steck ich dir mal meinen Rüssel ins Maul!

… und jetzt steck ich dir mal meinen Rüssel ins Maul!

Dann ist das Schauspiel genau so schnell wie es begonnen hat, auch schon wieder zu Ende. Die großen Grauen sammeln sich, stupsen die Kleinen zur Ordnung in die Gruppe und alle verschwinden  lautlos im Unterholz. Einer grüßt uns mit dem African Salut und dann ist nichts mehr von ihnen zu sehen.

Nur das Knacken der Bäume lässt uns schmunzeln: Sie sind ganz nahe, unsere Elefanten.

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