Life kill im Busch


Wake-up call 5:00 Uhr. Wir können es nicht fassen, krabbeln zerknittert aus unserem Bett, gehen ins Bad, um uns die Zähne zu putzen. Duschen, nein das geht sich nicht mehr aus. In 30 Minuten geht die Safari los und wir sind viel zu sehr mit dem Suchen warmer Kleidung beschäftigt. Die letzte Nacht war, zumindest für mich, nicht sehr erholsam, da um 1 Uhr Früh ein Nilpferd just unter unserer Terrasse gebadet und Gras gekaut hat. Grunzen, mampfen, grunzen, platschen, grunzen, mampfen. Ich bin hochgeschreckt, da ich diese Geräusche als Stadtmensch natürlich nicht kenne, und war überzeugt, das Vieh steht neben meinem Kopfpolster.

Wir gehen vor zur open-air Lobby und es gibt leichtes Frühstück. Obst, Muffins, Müsli, Saft, warme Getränke. Die Mädels trauen sich kaum etwas zu trinken, denn im Busch aufs Klo, das will niemand. Um 05:40 geht‘s los, die Sonne geht gerade auf und es ist ziemlich kalt. Eingewickelt in Fleece Jacken und Decken spähen wir mit müden Augen in den Busch. Zu müde, um irgendetwas zu erkennen. Unser Fährtensucher Roy deutet nach links, Juluka unser Ranger bremst und stellt den Motor ab. Und hier sind sie, zwei Löwinnen auf staubiger Straße nur wenige Meter von uns entfernt. Sie bewegen sich majestätisch langsam, aber hell wach, schauen uns in die Augen und ziehen dann vorüber. Ein kurzer Blick nach links, ob vielleicht noch etwas kommt, und da ist er. Lions King höchst persönlich. Seine Augen blicken uns eine Weile kalt interessiert an, aber er ist wahrscheinlich nicht hungrig, um eine Gruppe von Nikon Touristen zum Frühstück zu verspeisen. Also zieht auch er, so wie wir, weiter.

Juluka tritt aufs Gas und wir rasen durch den Busch, über Stock und Stein. Links, nochmals links, Roy deutet plötzlich rechts, wir biegen ab. Steine, Löcher, Dornenbüsche sind egal, mit vollem Tempo geht’s dahin. Eigentlich machen die das sonst nicht, was suchen sie? Wir bleiben stehen. Roy macht eine lässige Handbewegung nach links und wir biegen erneut ab. Vor uns dichtestes Buschland, Sträucher müssen mit dem Jeep überfahren werden, da es sonst kein Weiterkommen gibt. Roy deutet links, rechts, langsamer, zurück. Wir sind davon überzeugt, sie suchen den riesigen Elefanten, dessen Spuren wir gestern im Staub gelesen haben. Folglich schauen wir alle zum Himmel, ducken uns immer wieder, um von den Dornsträuchern kein Gratis-Tattoo zu bekommen. Juluka bleibt stehen und flüstert plötzlich, erst jetzt sehen wir, was sie gesucht haben.

Unser Löwe steht höchst angespannt wenige Meter neben uns, bewegt sich nur in Millimetern, kalte Augen mit starrem Blick.  Die beiden Weibchen sehen wir nicht. Juluka flüstert uns zu: „They are hunting, if we are lucky we’ll see a life kill!“ WAS? Ich glaube es nicht. Wir stehen ja mitten in der Angriffslinie der Katzen, und Gewehre haben unsere Ranger nicht mit. Unser Puls rast, wir haben ja keine Ahnung von dem, was da kommt. Plötzlich geht alles rasend schnell. Lautes Gebrüll von drei Löwen, Sand und roter Staub fliegen in die Luft, Warzenschweine stoben in alle Richtungen davon, eines ist zu langsam. Ein furchtbares Schweinchenquiecken, und dann ist Ruhe. Man riecht plötzlich Blut und hört die Katzen die arme Kreatur zerreißen.

„The pig is still alive!“ Ich glaub’s nicht. „What?“ Juluka klärt uns auf: „Yes, it is terrible. The only creatures that lions don’t kill but eat alive are warthogs. They start from the back.“ Wir sehen den drei Raubkatzen zu, manche von uns ungewollt, hören die Knochen splittern, können es nicht fassen. Ich muss zugeben, ich hatte Tränen in den Augen, aber immer noch gehofft, unser Schweinchen wäre schon tot. Wir sitzen 5 Meter in unserem offenen Jeep, neben diesen drei Katzen, die sich aus Futterneid immer wieder anfauchen. Kurz durchfährt uns alle das kalte Grauen: warum sollten die Katzen nicht auch uns anspringen und auffressen? O.K. Wir wurden trainiert, niemand steht auf, klar? Klar. Ich erinnere mich ganz intensiv an die Einweisung und ducke mich. Raubkatzen erkennen unser Auto, auch wenn es offen ist, als ein Ganzes. Sie sind so nicht in der Lage einzelne Menschen als Beute zu erkennen, zumindest sagen das unsere Ranger. Steht einer von uns auf, ragt er über die gedachte obere Linie des Jeeps hinaus. Dann allerdings wird er sofort als Individuum erkannt, und die Katzen würden umgehend angreifen. Wir ducken uns alle, sind regungslos und sehen zu.

Ein Mark durchdringendes Quieken, und dann hat es die arme Kreatur überstanden. Die Katzen fressen 20 Minuten, es bleibt nichts über. Nicht einmal unsere Ranger wissen, warum Warzenschweine so einen jämmerlichen Tod ertragen müssen, da alle anderen Tiere von Löwen immer zuerst getötet werden. Alle sind still, beeindruckt und schockiert gleichzeitig. Das ist Natur, aber wozu ist das wirklich gut?

Kurz danach wissen wir es. 4 Löwenbabies sprinten durch das hohe Gras, aufgeregt mit Gummischwänzchen und aufgestellten Ohren. Mister Lion King erschreckt sich so sehr vor den Babies, dass er mit lautem Katzengeschrei zur Seite springt, den Schwanz einzieht und rennt. Und so nimmt diese Geschichte für uns doch noch ein gutes Ende, da auch die Babies ein paar abgekaute Knochen ergattern, und wir ein paar gute Nikon Snapshots für zu Hause.

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