Excuse me, Sir!


Wie viel Glück ist Kinderglück?

happy kids

Wir sind in Franschhoek, parken unser Auto ein und schlendern herum, inhalieren die wunderschönen Gebäude, die alte Architektur. Es ist ein traumhafter Sommertag mit 32° C und der Himmel strahlt in seinem schönsten blau. Und da wir wieder einmal auf so ganz gemütlich unterwegs sind, beschließen wir auf „ich teil mit dir eine Pizza“ ins Col’Cacchio zu gehen. Mehr geht bei dieser Hitze nicht, aber so ein bissl naschen und ein Flascherl Rosè von Nederburg, das wär schon genial.

Col’Cacchio kennen wir bereits von unserem letzten Aufenthalt und der schattige Gastgarten unter riesigen Platanen ist uns noch lebhaft in Erinnerung. Glücklich und mehr als zufrieden stimmen wir überein, Südafrika, das kann schon was. Ein traumhaftes Land, extrem freundliche Leute, westliches Feeling und immer schönes Wetter. Was will man mehr?

Als wir gezahlt haben, machen wir, vielleicht ein klein wenig beschwingt, auf den Weg retour zum Auto. Die Sonne glüht, es ist heiß, und irgendwo in der Menge und unseren Gedanken, ein zögerliches, ja fast piepsiges: „Excuse me, Sir! Excuse me, Sir!“ Wir sehen nach links, rechts, „excuse me, Sir“ und hier steht die kleine Maus. Direkt vor unseren Füssen. Ein kleines schwarzes Mädchen in ihrer hübschen Schuluniform. Weiße Bluse, dunkelgrüner Pullunder, dunkelgrünes Faltenröckchen und weiße Strümpfe. Ihre Haare sind zu kleinen Zöpfchen geflochten, und sie ist so ein zierliches Ding, mit leiser aber bestimmter Stimme, dass wir sie fast übersehen hätten. „Excuse me, Sir!“

„Yes sweety, what can we do for you?“ Sie holt tief Luft, man sieht, das ihr das nicht leicht fällt. Ich beuge mich zu ihr hinunter, damit wir auf gleicher Ebene sind. Und da bricht plötzlich ein ganzer Redeschwall auf uns nieder (oder besser hoch), verstehen tun wir fast nix, nur “donation for our school”. Sie hält eine kleine Blechbüchse in der Hand, zu schüchtern um sie uns entgegenzustrecken, aber ihre Augen betteln still. Nicht aufdringlich, so wie man das von Bettlern kennt, eher flehentlich. Ich habe mich dann mit ihr unterhalten und erfahren, dass die Kinder – also gesehen habe ich ausschließlich schwarze Kinder – von der Schule aufgefordert wurden in ihrer Freizeit Geld sammeln zu gehen, damit neue Toiletten in der Schule eingebaut werden können. Die Budgets reichen einfach nicht und Förderungen, das ist hier ein Fremdwort.

Das ist eine der vielen anderen Seiten Südafrika’s, wo kleine Volksschulkinder um Geld zur Sanierung ihrer Schule bitten. Dieses zarte Wesen in ihrem Strickpullunder bei 32° C – wir schwitzen wenn wir sie nur ansehen – sollte um diese Zeit am Spielplatz sein, Gummi hüpfen, Ball spielen, schwimmen gehen, mit Freundinnen lachen und einfach nur vollkommen unbekümmert ihre Kindheit genießen dürfen. Es schmerzt uns in der Seele und selbstverständlich bekommt sie von uns eine große Spende.

„Weiße“ Schulen sind hier fast ausschließlich Privatschulen mit eigenem Golfplatz, Freizeiteinrichtungen, ähnlich jenen in den USA. „Schwarze“ Schulen sehen offensichtlich ganz anders aus.

Noch lange denken wir an dieses Ereignis, jeder still für sich, und sind betroffen.

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